Susanne Juliana Bosch - Heilpraktikerin (Psychotherapie), Autorin
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Welchen Film wählst du?


Welchen Film wählst du?
(ein freier Text, inspiriert von einem Teaching von Thay Thien Son)
 
Wir alle tragen eine falsche Existenz in uns.
Diese Existenz ist unser Konzept von uns selbst, vom Leben, von den Menschen und der Welt. Sie wird geprägt von individuellen Erfahrungen, Erlebnissen und Dingen, die wir als Kind hören. Das Grundthema unserer Existenz bringen wir schon mit in dieses Leben, es ist ein karmisches Thema, das uns die Chance offeriert, daran zu wachsen.
In dem Konzept unserer Existenz sind Glaubenssätze gespeichert, die dazu führen, dass wir aus Gewohnheit und Verstrickung heraus immer wieder ähnliche Situationen schaffen, die uns leiden lassen. Es fühlt sich so an, als ob uns „aus irgendeinem unerfindlichen Grund“ immer wieder dasselbe passiert im Leben. Wir geraten immer wieder in die gleichen Beziehungsmuster, erleben immer wieder ähnliche Verletzungen und verstehen oft viele Jahre nicht, warum das so ist.
Die Themen der falschen Existenz können zum Beispiel lauten „ich bin nicht gut genug“, „ich bin ein Opfer meiner Umstände“ oder „ich habe es nicht verdient glücklich zu sein“ und so weiter.
 
Wenn wir uns auf den Weg einer spirituellen Weiterentwicklung wagen, erkennen wir irgendwann, dass uns diese Momente, in denen wir wieder verletzt werden und leiden oder scheitern, nicht „einfach passieren“, sondern dass wir selbst die Regieanweisungen dafür gegeben haben. In unseren festen Überzeugungen, die wir in uns tragen, „greifen“ wir automatisch immer wieder nach denselben Mustern, Gedanken und Handlungsweisen.
Es ist ein unbewusster Prozess, der uns dazu führt, dass wir immer wieder Situationen schaffen, in denen uns genau das begegnet: z.B. die Botschaft „ich bin (wieder) nicht gut genug“.
Ich gehe noch einen Schritt weiter: wir suchen uns sogar genau die Menschen raus, die uns exakt die Information unserer falschen Existenz immer wieder bestätigen.
Und damit „legen wir immer wieder denselben Film in unseren Projektor“, wir wählen immer wieder dasselbe Filmgenre aus.
 
Wir alle haben eine große Leinwand aufgebaut, auf der unser Lebensfilm zu sehen ist.
Aus der Perspektive der westlichen Psychologie geht es in einer Weiterentwicklung darum in die Handlung des Filmes einzusteigen und sie vielleicht zu verstehen oder gegebenenfalls zu verändern, so dass es zum Ende hin mehr Aspekte von einem „Happy End“ geben kann.
Die Buddhistische Psychologie betrachtet das „Drumherum“ im Kinosaal. Der Inhalt/die Handlung des Filmes sind aus der Betrachtungsweise der Buddhistischen Psychologie nicht vordergründig. Sie achtet zum Beispiel darauf welches Filmgenre eingelegt wurde in den Projektor. Läuft da immer wieder ein Drama? Oder ist es eher ein Krimi, oder eine Komödie? Das wäre die Frage nach der falschen Existenz. Welche Existenz haben wir gewählt?
Die Buddhistische Psychologie geht davon aus, dass wir selbst diesen Film einlegen. Wir wählen, wir kreieren, wir gestalten – und dann wundern wir uns, warum immer wieder „Drama“ läuft – weil wir uns nicht bewusst machen, dass es unsere eigene Initiative war dieses Filmgenre zu wählen.
 
In den Momenten, in denen Menschen erkennen, dass sie durch ihre Gedanken, durch ihre Handlungen und durch ihre Muster, mit denen sie den Gegebenheiten des Lebens begegnen, aktiv immer wieder denselben Film einlegen, stellt sich meist erst einmal Erleichterung ein.
Es ist durchaus ein positives Gefühl, zu verstehen, dass es neben dem Lebensfilm, der auf unserer Leinwand läuft, auch noch einen Kinosaal gibt, mit einem Projektor, mit einer Leinwand und allerlei anderen Dingen und Möglichkeiten.
Bevor wir das erkennen und verstehen, sind wir in unserem Lebensfilm drin und wir sind gefangen in der Handlung, in der wir uns an bestimmten Stellen handlungsunfähig fühlen, ausgeliefert fühlen, ohnmächtig fühlen. Unser Blick in die Welt, unsere Wahrnehmung des Umfeldes sind gefärbt von dem „Geschmack“, der unsere Handlung/das Filmgenre ausmacht. Ausgestattet mit dieser speziellen Lebensbrille (unsere falsche Existenz) schauen wir in die Welt.
Und wir ahnen vielleicht gar nicht, dass es überhaupt einen Kinosaal und einen Projektor gibt.
 
Hinter unserer falschen Existenz und ihren speziellen Überzeugungen steht eine Sehnsucht. Wenn die Information der falschen Existenz lautet „ich bin nicht gut genug“, verbirgt sich dahinter zum Beispiel die Sehnsucht, dass uns ein anderer Mensch bestätigt und erfahrbar macht, dass wir gut genug und liebenswert sind, so wie wir sind.
Wenn die falsche Existenz sagt „ich bin ein Opfer meiner Umstände“, dann steckt dahinter die Sehnsucht, dass ein Retter auftaucht, der die Umstände verändert und damit „alles gut“ wird.
Diese Sehnsucht bringt uns weg von uns selbst. Weg von der tiefen Verbindung zu uns selbst. Sie sorgt dafür, dass wir innerhalb der Handlung unseres Lebensfilmes nach Menschen suchen, die uns helfen. Das heißt wir bleiben in unseren Themen stecken und drehen uns im Kreis. Denn der Glaube, dass es innerhalb unseres Lebensfilmes jemanden gibt, der uns helfen könnte, ist ein Irrtum. Diese „Strategie“ führt dazu, dass wir festhalten, dass wir eine Erfüllung wollen und damit lassen wir zum einen die Vergänglichkeit nicht zu und wir geraten auf der anderen Seite, die etwas „haben will“, schnell in Trotz und beleidigt sein. Und wir bleiben in der Dualität.
Der Mensch, der denkt „ich bin nicht gut genug“, trägt in der Dualität auch die Überzeugung in sich „du bist nicht gut genug“ und derjenige, der sich als Opfer fühlt, macht andere in seinem Umfeld zum Täter.
 
Es sind komplexe Vorgänge, die uns das Leben schenkt.
Ich wünsche dir die „Horizonterweiterung“, damit du erkennst, dass es außerhalb deines Lebensfilmes einen Kinosaal gibt, in dem ein Projektor steht, der genau das Filmgenre abspielt, das du einlegst.
Du hast die Möglichkeit den Kinosaal und den Projektor zu erkennen, wenn du dir bewusst machst, dass deine Existenz eine falsche Definition deiner Selbst ist. Dieser „Summton“, der im Hintergrund deines Lebens immer mitläuft färbt deine Wahrnehmung, färbt deine Gedanken.
Wenn du bereit bist, das zu sehen, folgt der nächste Schritt. Denn wenn wir uns öffnen, schaffen wir die Voraussetzung, loszulassen. Die Überzeugung loszulassen, dass unser Konzept das „einzig wahre“ ist. Damit öffnen wir der Vergänglichkeit die Tür. Wenn wir festhalten, können wir uns keiner Vergänglichkeit hingeben. Erst wenn wir uns öffnen für das Loslassen, sind wir bereit die Vergänglichkeit einzuladen. Und damit gehen wir in Verbindung mit Mutter Natur. Sie ist die Meisterin der Vergänglichkeit. Wir können alles von ihr lernen, was wir brauchen.
Wenn du in Verbindung bist mit der Natur, dann bist du in Verbindung mit dir selbst. Dann kann Selbstfürsorge und Selbstliebe wachsen. Eine natürliche Folge von einer liebevollen Verbindung zu uns selbst, ist die Verbindung zu anderen Menschen und Wesen und das Mitgefühl für anderen Menschen und Wesen.
 
Dieser ganze Prozess ist fließend und er geht hin und her, wie ein Tanz. Es ist keine Disziplin, in der man verschiedene Punkte abhaken muss, es ist ein Fließen, eine Bewegung, eine Lebendigkeit.
 
Und irgendwann wird uns bewusst, dass man aus dem Kinosaal hinaustreten kann und dass dort eine Welt auf uns wartet, die noch viel größer und vielfältiger ist, als wir zu träumen wagen.
 
Susanne
 
(Die Metapher des Filmprojektors und die Inhalte der Weisheit stammen aus Teachings von Thay Thien Son, zusammengefasst und erzählt von Susanne)

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