Susanne Juliana Bosch - Heilpraktikerin (Psychotherapie), Autorin
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Öffne dein Herz und die Selbstliebe kommt zu dir

Öffne dein Herz und die Selbstliebe kommt zu dir

Immer wieder wird es in Büchern und Persönlichkeitstrainings propagiert und suggeriert:
„Erst wenn du dich selbst liebst, bist du in der Lage auch andere Menschen zu lieben“
Viele Autoren und Coaches gehen soweit, dass sie Menschen die Fähigkeit zu lieben quasi absprechen, wenn sie nicht zuvor genügend Selbstliebe entwickelt haben.
Es werden Bücher und Trainings verkauft, die uns erklären und beibringen sollen, wie wir Selbstliebe entwickeln können. Weil wir scheinbar erst etwas erreichen müssen, bevor wir fähig sind zu lieben.

Viele Klienten stellen mir immer wieder die Frage, wie es funktionieren soll, dass man Selbstliebe entwickelt, wenn man schon im ersten Lebensjahr, also in der Zeit, in der sich unser Urvertrauen bildet - so stark vernachlässigt wurde, dass es keinen „Nährboden“ dafür gab.
Was ist mit Menschen, die schon so früh traumarisiert wurden, dass die Bildung der Resilienzfähigkeit gestört wurde? Was ist wenn ein frühes Bindungstrauma der natürlichen Entwicklung von Selbstliebe entgegengewirkt hat?
Sind diese Menschen verdammt ihr Leben lang als „beziehungsunfähig“ abgestempelt zu werden, weil sie nicht in der Lage sind eine gesunde Selbstliebe aus sich heraus zu entwickeln?
Wie soll sich etwas entwickeln, wenn da nichts ist aus dem sich etwas entwickeln könnte?
Wenn man den Persönlichkeitstrainern und Coaches glaubt, die sagen, du musst dich zuerst selbst lieben, bevor du jemand anderen lieben kannst - sieht die Welt recht düster aus für diese Menschen mit frühen Bindungstraumata.

Ich möchte meinen Blick der Buddhistischen Psychologie zuwenden, einen Begriff einer wichtigen buddhistischen Lehre erläutern und dir ein Zitat meines Lehrers Thay Thien Son mitgeben.

In der Tradition des vietnamesischen Mönches Thich Nhat Hanh wird der Begriff „Intersein“ verwendet. Für uns westliche Menschen ist der Gedankengang nicht ganz leicht zu verstehen, aber ich möchte dich dazu einladen, das Thema Intersein mal in deinem Herzen ankommen zu lassen.
Alles ist mit allem verbunden. Das erklärt die buddhistische Lehre, die Intersein beschreibt. Es geht um das wechselseitige verwoben- und abhängigsein von allem mit allem.
Wenn wir das etwas tiefer betrachten, verbirgt sich darin die Weisheit, dass nichts über ein eigenständiges Selbst verfügt. Wir sind mit allem was existiert, verbunden und können nicht aus uns alleine heraus existieren.
Thich Nhat Hanh gibt uns eine schöne Metapher, um diese Lehre zu verstehen:
Wenn wir eine Sonnenblume betrachten, können wir erkennen, dass sie auch aus „nicht-Blume-Elementen“ zusammengesetzt ist. Zum Beispiel lässt sich der Sonnenschein in ihr erkennen. Ohne Sonnenschein könnte die Sonnenblume nicht wachsen. Es ist unmöglich den Sonnenschein aus der Blume zu entfernen oder sie von ihm zu trennen. Die Sonnenblume ist verwoben mit dem Sonnenschein. Ebenso können wir Wolken und Regen in einer Sonnenblume entdecken, denn auch diese „nicht-Blume-Elemente“ sind in ihr enthalten und wir können sie nicht entfernen.
Ohne diese Aspekte könnte die Sonnenblume nicht existieren. Sie kann nicht aus sich selbst heraus existieren. Es braucht die „nicht-Blume-Elemente“ für ihre Existenz.
Und diese Weisheit reicht noch tiefer. Denn ohne Pflanzen gäbe es keinen Sauerstoff.
Eine Wolke kann nicht entstehen ohne Sonne und ohne Wasser. Alles ist miteinander verbunden und Intersein ist ein wechselseitiges Phänomen.

Mein Lehrer Thay Thien Son sagte in einem Vortrag „wenn du in der Lage bist den anderen zu lieben, lernst du dich selbst zu lieben.
Mit anderen Worten könnte man sagen: wenn du andere Menschen hasst, hasst du dich selbst.
Weil du da bist, bin ich hier“.

Mein Herz hat einen Freudensprung vollführt, als ich diese Worte von ihm hörte und verstand.
Was für eine Erleichterung! Ich kann den Druck loslassen das Rätsel lösen zu müssen, wie Selbstliebe entstehen kann, wenn durch ein frühes Bindungstrauma die Entwicklung des Urvertrauens maßgeblich gestört ist!
Man muss nicht „erst etwas entwickeln, erreichen, kreieren … um lieben zu können“.
Niemand muss sich schlechter als andere fühlen oder „beziehungsunfähig“, weil er Schwierigkeiten hat dem eigenen Spiegelbild zu sagen „ich liebe dich“.
Man darf sich entspannen und einfach lieben. Dann lernt man Selbstliebe.
Es gibt keine vorgeschriebene Reihenfolge, die man erreichen muss, bevor man eine gute Beziehung führen kann.
Auch die Liebe zu einem Tier, die Liebe zur Natur, die Liebe die ein spielendes Kind in deinem Herzen berührt… in all diesen Momenten lernst du (automatisch) auch dich selbst zu lieben.
Weil alles mit allem verwoben und verbunden ist.
Du musst keine Technik erlernen, du muss keine Bücher lesen, und du musst nichts erarbeiten. Es braucht keine positiven „Power Sätze“, die du dir vorsagen musst.
Das Üben deiner Selbstliebe erfolgt indem du einfach liebst.
Es braucht nur dein offenes Herz. Mehr nicht.

Und hierzu passt sehr gut, was mir eine Nonne in diesem Zusammenhang erzählte:
Die Bibelstelle „Liebe deinen nächsten wie dich selbst“ wurde scheinbar falsch übersetzt.
Es müsste heißen „Liebe deinen nächsten als dich selbst“.
Dann schließt sich der Kreis. Alles ist mit allem verbunden.
„Wenn du in der Lage bist den anderen zu lieben, lernst du dich selbst zu lieben“

(Susanne J. Bosch)




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